Dirk Flock
20.10.2009, INTERVIEW
Der 37-Jährige erzählt über den Trainertyp Flock, den Saisonauftakt und die Zukunft des FCG.
Hallo Herr Flock, gut drei Monate sind Sie nun offiziell im Amt als Trainer des FC Gütersloh. Wie würden Sie die bisherige Zeit beschreiben?
Als erstes muss ich sagen, dass es mir unheimlich Spaß macht, mit der Truppe zusammenzuarbeiten. Die Jungs passen charakterlich und menschlich gut zusammen, worauf wir im Sommer bei der Kaderzusammenstellung besonderen Wert gelegt haben. In ihnen steckt eine Menge Potenzial. Wenn man eine neue Aufgabe angeht, macht man sich natürlich am Anfang Gedanken, was da so auf einen zukommt. Die Jungs haben von Beginn an mitgezogen, lassen sich was sagen und signalisieren in jeder Trainingseinheit, dass sie gewollt sind, sich zu verbessern. Dies hat mir natürlich den Einstieg als Trainer enorm leicht gemacht. Desweiteren habe ich mit Dietmar Starke, unserem Torwarttrainer, einen Mann an der Seite, mit dem ich mich hervorragend ergänze. Jedoch habe ich einen derartigen holprigen Start nicht erwartet. Ich denke aber, dass wir - die letzen Ergebnisse unterstreichen es - die Kurve noch rechtzeitig bekommen haben und nun Fahrt aufnehmen werden.
Der FC Gütersloh ist Ihre erste Trainerstation. Beschreiben Sie uns doch bitte kurz, wie es zum Engagement kam und warum Sie sich letztendlich entschieden haben, das Angebot anzunehmen.
Zum Ende der letzten Spielzeit kam der Verein auf mich zu und hat mir das Angebot gemacht, die Mannschaft zu übernehmen. Da meine Verbundenheit zum Verein sehr groß ist, bedurfte es da keiner langen Bedenkzeit, zumal es an der Zeit war, als Spieler abzudanken. Gütersloh ist nach wie vor eine hervorragende Plattform und es ehrt mich, auf ihr stehen zu dürfen.
Unabhängig vom Verein und der Mannschaft: Was haben Sie sich persönlich als Trainer für diese Saison vorgenommen?
Wie gesagt, es ist meine erste Trainerstation. Ich befinde mich natürlich in einer Lernphase. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Mannschaft körperlich und mental fit für den anstehenden Spieltag zu machen und jeden einzelnen Spieler in seiner Entwicklung weiterzubringen.
Allein wegen Ihres Alters gehören Sie zur jungen, neuen Trainergarde. Wie würden Sie den Trainer Dirk Flock beschreiben?
Zielstrebig, ehrgeizig und loyal. Spieler werden bei mir mit in die Trainingsarbeit eingebunden. Ich verlange von jedem einzelnen Spieler, dass er sich Gedanken macht, warum die eine oder andere Übung gemacht wird und nicht nur sein Pensum runterläuft. Ich bin der Meinung, dass ehrliche Arbeit irgendwann auch belohnt wird. Und wenn mir ehrliche und gute Leistung auf dem Trainingsplatz angeboten wird, wird das auch von mir honoriert.
Der Saisonstart ist sicherlich alles andere als optimal verlaufen. Haben Sie eine Erklärung für die teilweise schwachen Leistungen und die geringe Punktausbeute?
Natürlich haben wir uns den Start in die Saison anders vorgestellt, wenn man bedenkt, dass unsere Vorbereitung auf die Saison recht ansprechend war und wir dementsprechend zuversichtlich an den Start gehen konnten. Jedoch haben wir es leider gerade in den ersten Spielen nicht geschafft, unsere guten Ansätze und teilweise vorhandene Feldüberlegenheit in Tore, schlicht weg in Punkte umzuwandeln. Wir haben gesehen, dass es uns schwergefallen ist, gegen Mannschaften, die sehr defensiv gestanden haben und einem guten Spiel wenig beitragen konnten oder wollten, zu spielen. Hinzu kamen dann individuelle Fehler, bis hin zu Eigentoren, die uns selber geschwächt haben. Im hinteren Bereich standen wir oftmals nicht gut und vorne haben wir die nötige Durchschlagskraft vermissen lassen. Entscheidend ist jedoch, dass man im Training sehen kann, dass trotz der Tiefschläge jeder bereit ist, an sich zu arbeiten und aus Fehlern zu lernen.
Man hat Ihnen in den letzten Spielen durchaus angemerkt, dass Sie auf der Bank etwas lauter geworden sind. Muss man als Trainer in einer schwierigen Zeit mehr Autorität zeigen oder bringt es die Mannschaft weiter, wenn man Verständnis zeigt und nicht "draufhaut"?
Situationsbedingtes Handeln ist gefragt. Wenn man merkt, dass man nicht mehr weiterkommt, muss man etwas ändern. Nach einer Niederlage oder einem schlechten Spiel kann man nicht zur normalen Tagesordnung übergehen. Jedoch bin ich keiner, der schnell den Hammer raus holt und draufhaut, wenn es mal nicht läuft. Ich versuche, mich in jeden einzelnen hineinzuversetzten und in Gesprächen gemachte Fehler zu ergründen. Nur wenn die Spieler selber einsehen, dass etwas nicht gut war, ist die Bereitschaft da, es beim nächsten Mal besser oder anders zu machen. Jeder muss daher selbstkritsch mit sich und seiner Leistung ins Gericht gehen und das ein oder andere Mal auch sich selbst hinterfragen.
Am vorletzten Freitag gegen Davensberg hat man das Gefühl gehabt, dass Sie der Mannschaft zum Torerfolg helfen und noch näher bei ihr sein wollten, als Sie sich fast neben das Tor gestellt haben. Wie sehr leidet man in so einer Situation mit und wie groß war die Erleichterung, als Lennard Warweg das 1:0 schoß.
Natürlich leide ich mit, wenn es nicht "fluppt". Als Trainer sind die Eingriffe und Hilfestellungen während eines laufenden Spiels begrenzt. Oft fühlt man sich hilflos, da man nicht die Möglichkeit hat, aktiv auf dem Platz das Geschehen mit zu beeinflussen. Heute kann ich den einen oder anderen Trainer von meiner aktiven Zeit verstehen, der nicht ruhig auf der Bank sitzen konnte.
Das Potenzial, das im Team steckt, ist unbestritten, der Abstand nach oben aber auch schon etwas angewachsen - nichtsdestotrotz ist die Saison natürlich noch sehr lang. Was ist in dieser Saison noch drin?
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns weiter stabilisieren und mittelfristig auch schon nichts mehr mit der Abstiegszone zu tun haben werden. Für eine weitere Prognose erscheint es mir nach elf Spieltagen noch zu früh.
Eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Vor ein paar Wochen hat die E-Jugend des FCG mit 6:3 beim SC Wiedenbrück verloren. Dreifacher Torschütze für den SCW war Ihr Sohn Nick. Wächst da ein neues Talent heran, und spielt der junge Mann nicht im falschen Verein?
Ja, ich denke, ganz untalentiert ist er nicht. Jedoch zählt er mit seinen zehn Jahren zu einer Altersgruppe, in der der Spaß an erster Stelle stehen sollte. Im Moment ist er in Wiedenbrück gut aufgehoben und hat sein soziales Umfeld mit seinen Kumpels da gefunden. Leider kann ich nicht immer seine Spiele, so wie auch das gegen den FCG, live miterleben, weil sie sich oft mit unserem Training am Samstag überschneiden.
Sie haben immer wieder betont, wie sehr Ihnen der FC Gütersloh am Herzen liegt. Was ist das Besondere am Verein und wie kann es gelingen, den FCG wieder nach oben bzw. zu besseren Zeiten zu bringen?
Ich habe in den zwei 2. Liga-Jahren mit dem FCG eine wunderschöne Zeit gehabt und die Menschen, die den Verein und den Heidewald prägen, schätzen gelernt. Um den Verein wieder nach oben zu bringen, ist der sportliche Erfolg natürlich unabdingbar. Dessen sind wir uns bewusst und arbeiten daran. Jedoch muss das gesamte Gebilde betrachtet werden. Wichtig ist ein solides und glaubwürdiges Auftreten des Gesamtvereins in der Öffentlichkeit. Das Vertrauen von Sponsoren, Förderern und Fans gilt es zurückzugewinnen. Gütersloh ist in meinen Augen nach wie vor ein schlafender Riese. Die Stadt und das gesamte Umfeld verfügen über ein großes Potenzial. Die momentane Ligazugehörigkeit darf daher nicht von langer Dauer sein. Nur dauert es leider immer seine Zeit, bis aus neuer Saat Bäume wachsen. Wenn jeder seine Aufgabe erfüllt und alle gemeinsam an einem Strang ziehen, bin ich davon überzeugt, dass wir in Gütersloh bald bessere Zeiten erleben werden und der FCG wieder zu einem Aushängeschild der Region wird! Vielen Dank!
Herr Flock, wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.
Von: Online-Redaktion










