Freiwillig einen Schritt zurück statt einen vor
25.08.2010, INTERVIEW
Christian Zodrow will nicht mehr nur auf die Karte Fussball setzen
Christian Zodrow, hier noch im Trikot des SC Wiendenbrück, will seine Erfolge der letzten Jahre jetzt mit dem FC Gütersloh wiederholen.
Wenn Christian Zodrow in dieser Saison seine Fussball-Schuhe schnürt, heißen die Gegner SV Dorsten-Hardt, FC 96 Recklinghausen, SC Paderborn 07 II, SC Preußen Münster II oder wie an diesem Wochenende SUS Neuenkirchen. Es hätten aber auch Preußen Münster, der SC Verl, der Wuppertaler SV oder die Lotter Sportfreunde seien können.
Nach vier erfolgreichen Jahren mit drei Meistertiteln wechselte Christian Zodrow im Sommer vom neuen Regionalligisten SC Wiedenbrück 2000 zum Westfalenligisten FC Gütersloh 2000. Statt aus der NRW-Liga sportliche einen Schritt nach vorne, ging der bald 32-Jährige freiwillig einen Schritt zurück. "Fünfmal Training pro Woche plus weite Fahrten plus Vollzeitarbeit hätten sehr wenig Freizeit, sehr wenig Zeit für Freundin, Familie und Eltern bedeutet", wollte der 31-Jährige schlicht und einfach nicht mehr nur “auf die Karte Fussball setzen".
Gerüchte zufolge, nach denen der klamme FCG seinen alten Verein finanziell überboten hätte, verweist “Z", wie auf dem Platz gerufen wird, in das Reich der Fabel: “Wer glaubt, beim FC Gütersloh könnte man reich werden, glaubt auch an den Weihnachtsmann". Zwar lässt Trainer Dirk Flock, mit dem Zodrow in Wiedenbrück eine komplette Oberligaserie zusammen spielte, auch in Gütersloh viermal in der Woche trainiert, davon allerdings einmal am Samstag vormittag. Zwei Abende pro Woche sind frei. Von seinem Wohnort in der Anna-Voß-Straße zum Heidewald sind es gerade drei Autominuten. Der Aufwand hält sich daher in Grenzen.
Im Gegensatz zu früher kann jetzt auch die Zeitspanne zwischen Arbeitsende und Trainingsbeginn zur Entspannung genutzt werden. Diese Vorzüge genießt der Mittelfeldstratege in vollen Zügen. Zumal nach seiner Meinung auch die sportliche Herausforderung 4. Liga nicht immer den dafür betrieben Aufwand lohnt. Christian Zodrow: "Münster, Verl, Wuppertal sind attraktive Partien, keine Frage. Für die trainiert man als Fussballer. Anderseits spielt man gegen zehn Amateurmannschaften. Mit viel Pech kickt man in Kaiserslautern II, Mainz II oder Gladbach II vor 200 Zuschauern. Dafür ist man das ganze Wochenende unterwegs. Das ist den Aufwand nicht wert".
Mit dem SC Verl hat Christian Zodrow von 2000 - 2003 in über 60 Partien das Flair des Profi-Unterbaus genossen, dabei vor über 15.000 Zuschauern gespielt. Er weiß, wovon er spricht. Nach den Gastspielen in den Nachbarvereinen ist Wechsel zum FCG für ihn deshalb kein Abstieg, sondern eine Rückkehr zu den Wurzeln. Beim Heidewald-Club begann 1984/85 als fünfjähriger Steppke seine Fussballerlaufbahn. Anschließend durchlief er sämtliche Jugendmannschaften, spielte dabei in der A-Jugend und den damaligen Amateuren mit dem heutigen Nationalspieler Arne Friedrich zusammen.
Welch exzellente Verstärkung der Gütersloher Junge für den FCG seien kann, zeigte sich bereits im Radio-Gütersloh-Cup. Mit seiner Ballsicherheit, Tempowechseln und vielen Pässen in die Tiefe (Christian Zodrow: "Das können nicht viele") lieferte der Neuzugang eine viel beachtete Vorstellung ab. Das Team erreichte auch Dank seiner Führung den 2. Platz. Er selbst wehrt Lob aber so geschickt ab, wie auf dem Platz die Attacken der Gegenspieler: “Das war eine gute Leistung, aber daran waren alle Spieler beteiligt", stellt Zodrow sein Licht bescheiden unter den Scheffel.
Ob der gelungenen Generalprobe sowie der spektakulären Meisterschafts-Premiere bei der “Regenschlacht von Spexard" ähnlich begeisternde Auftritte folgen, kann und will der Rechtsfüßler natürlich nicht versprechen. Christian Zodrow: “Ich bin erfolgsverwöhnt, will auch in Gütersloh Erfolg haben. Allerdings haben wir eine sehr junge Mannschaft und einen sehr kleinen Kader". Das Ziel der Mannschaft laute dennoch : “Wir wollen oben mitspielen, und in jedem Spiel alles geben. Was dann am Ende heraus kommt, müssen wir abwarten".
Mit Dornberg, Paderborn II, dem SV Lippstadt 08 "und uns natürlich", erwartet Christian Zodrow vier, fünf Teams in der Endabrechnung ganz oben. Wer von denen das Rennen macht, werde sich erst am Ende herausstellen. Christian Zodrow: “Das wird ein ganz knappes Rennen, da ist Spannend bis zum letzten Spieltag garantiert". Nach zwei Titel in Folge mit seinem alten Verein hätte Christian Zodrow aber nichts gegen eine weitere Aufstiegs-Party. "Alle guten Dinge sind Drei", grinst er.









