Neugründung
Der FC Gütersloh ist tot, es lebe der neue FC Gütersloh 2000! Drei Tage nach dem amtsgerichtlichen Ende wurde der Nachfolger aus der Taufe gehoben.
Vorsitzender wird Frank Welsch, ein Gütersloher Rechtsanwalt. Sein Kollege Dr. Rainer Schils fand in den Satzungen des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) die Lücke, die es erlaubt, in der kommenden Saison mit der 1. Mannschaft in der Oberliga Westfalen zu starten.
Die Nachwuchsabteilung kann bis Saisonende weiterspielen und wird sich dann dem neuen Verein anschließen. Diese Lösung stößt bei Ingo Peter (48), Trainer der Sportfreunde Siegen, auf Kritik: "Was die Verbände da konstruieren, ist ein Witz. Alle Leidtragenden der Gütersloher Misswirtschaft müssten auf die Barrikaden gehen."
Kicker, 24. Februar 2000: Ingo Peter kritisiert die Verbände (West/Südwest: Gütersloh hat neue Perspektiv)
Abpfiff für einen Traditionsverein
Um 10.15 Uhr verkündete am Montag vor dem Bielefelder Amtsgericht Rechtsanwältin Cornelia Mönert das Scheitern der Insolvenzverhandlungen. "Gekämpft, gehofft und doch verloren", meinte die Rechtsanwältin in der Gläubigerversammlung. "Der FC Gütersloh existiert nicht mehr". In den Stunden zuvor hatten Investoren aus Hamburg und München ihre Zusagen zurück gezogen. Der FCG, der 1978 durch die Fusion der Fußballabteilungen vom SVA und DJK Gütersloh erstanden war, wurde Opfer seiner desolaten Finanzpolitik. Knapp neun Millionen Mark Schulden standen am Ende zu Buche.
In der Nacht zuvor hatte die Insolvenzverwalterin noch mit den Investoren aus Hamburg und München verhandelt. Als am frühen Montag die Zusage für 300 000 Mark ausblieb, war die Entscheidung praktisch gefallen. In der vergangenen Woche hatte eine Betriebsprüfung des Finanzamtes auf grund höherer Sanierungsgewinne zu einer wesentlich höheren Belastung des Vereins geführt. Die Stadt Gütersloh hatte am Samstag dem Verein zwar rund eine halbe Million Mark Gewerbesteuer gestundet, knapp 400 000 Mark hatte Manager Paco Castillo förmlich zusammengebettelt. Aber am Ende reichte es eben nicht. Den FC Gütersloh gibt es nicht mehr. Die Spieler, die bis zuletzt vorbildlich gekämpft hatten, denen aber schon am Sonntag bei der 1:3-Niederlage gegen die Amateure des VfL Bochum eine gewisse Lethargie anzumerken war, zeigten am Montag auch eine Spur von Erleichterung. Sie können ab sofort ablösefrei zu anderen Vereinen wechseln. Pino Canale ist sich mit LR Ahlen bereits Von Heinz Wessinghage einig. Dirk Langerbein, Frank Schön und Michael Mason sind angeblich bei Fortuna Düsseldorf im Gespräch, Frank Scharpenberg beim SC Paderborn und Massimilian Porcello bei Preußen Münster.
Finanzamt, Krankenkassen und einige Privatgläubiger wie zum Beispiel Ex-Manager Volker Graul oder die Spielerberatungsfirma Assauer & Fahrian GmbH werden nun vermutlich über Haftansprüche versuchen, an ihr Geld zu kommen. Das Finanzamt Wiedenbrück hat Vorstandsmitglieder bereits um Stellungnahmen gebeten. Ex-Präsident Dr. Krämer kreidet sowohl dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Manfred Niewiarra als auch dem Interimspräsidenten Dr. Poppe eine gewisse Schuld an. Und gegen seinen Amtsvorgänger Peter Ohlendorf hat Krämer bereits eine Klage angestrent. Wie es scheint, ist das Kapitel FC Gütersloh noch nicht endgültig geschlossen. Der Gläubigerversammlung am Montag wohnte auch ein Kripobeamter als Beauftragter der Staatsanwaltschaft bei. Ein normaler Vorgang zwar, doch wird es seine Aufgabe sein, zu überprüfen, ob Steuerdelikte aufgetreten sind.
Am Abend trafen sich die Vereinsmitglieder noch einmal zu einer letzten Versammlung, zu der über 200 Mitglieder erschienen waren. Insolvenzverwalterin Cornelia Mönert informierte über den gescheiterten Insolvenzplan, aber ob und wie es weitergeht, vermochte niemand zu sagen. Eine Möglichkeit sieht der frühere Präsident Dr. Rainer Schils. Für ihn ist lediglich der Insolvenzplan gescheitert. Aus dem Vereinsregister sei der Verein ja noch nicht gelöscht. Er glaubt, dass der FCG in der Oberliga unter bisherigem Namen einen Neuanfang machen kann.
Kicker, 17. Februar 2000: Den FC Gütersloh gibt es nicht mehr (Apfiff für einen Tradiotionsverein)









